Als Grundlage für den Gottesdienst diente das Bibelwort aus Lukas 13; 12, 13
„Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, du bist erlöst von deiner Krankheit! Und legte die Hände auf sie; und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.“
Inspiriert von dem Chorlied „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ stellte der Apostel fest, dass Gottesdienst Gemeinschaftsarbeit ist – so sind die Gläubigen nicht nur zur Anwesenheit, sondern auch zum Mittun, zum Mitsingen, zum Beten und zum Lauschen der Predigt aufgerufen. In der Versammlung zum Heiligen Abendmahl entstehe ein „Lagerfeuermoment“, wo man sich wohl und geborgen fühlen könne.
Da stimmt etwas nicht.
Im Bibelwort ist von der Heilung einer verkrümmten Frau die Rede, welche schon seit 18 Jahren an ihrer Krankheit leidet.
Das damalige Gottesbild besagte, dass Krankheit ein Zeichen für die Strafe Gottes sei.
Man brachte sie in Verbindung mit bösem Geist - wer jedoch gesund und wohlhabend war, der stand vermeintlich unter Gottes Segen.
Kranke waren zu dieser Zeit Außenseiter - mit denen „stimmte etwas nicht“.
Solche Äußerungen aus dem Alten Bund kennen wir selbst heute noch.
Der Apostel stellte klar, dass dies nicht seinem Gottesbild entspräche.
Jesus sah die Not der Frau. Er hinterfragte nicht, sondern rief sie zu sich, sprach sie an, berührte sie und heilte sie.
Davon hielten ihn weder bestehende Konventionen wie die Tatsache, dass Männer zur damaligen Zeit Frauen nicht öffentlich ansprachen, noch die Regelungen zum Sabbat ab.
Jesus sah die Leute.
Er hat sie angeschaut und ihnen damit Würde gegeben – sowohl diese Frau, als auch den Zöllner Zachäus und so viele mehr – er holte die Ausgegrenzten in die Mitte.
„Gott sieht uns auch an. Wir sind nicht nur eine Nummer im Kirchenbuch, wir sind seine Kinder, er sieht uns an!
Das ist nicht nur ein Bekannter oder lieb gewordener Mensch – es ist Gott!“, so der Apostel.
Wenn Gott einen Menschen anschaut, dann kann man sagen, er liebt den Menschen – er kümmert sich um ihn, weil Gott weiter sieht.
Gott ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem. Er hat uns schon gesehen, bevor wir da waren und trotz des Sündenfalls hat er uns zu sich gezogen.
Er kennt unser Leben – sowohl wie es bisher gelaufen ist – als auch das, was noch kommt.
Berufung zum Dienst
So wie Jesus die Frau gesehen und gerufen hat, so hat Gott auch uns berufen – nicht aus Verdienst, sondern es war seine freie Gnadenwahl.
Dabei spiele es keine Rolle, wie wir den Weg zu Gott gefunden haben.
Es ist Erwählung – nicht zur Elite oder besonderen Exklusivität – sondern Berufung zum Dienst, zur Verkündigung des Evangeliums, zum Leben als Christ.
Jesus sprach die Frau an und er spricht uns an „Komm wie du bist – hier ist Gnade.“
Er heilte die Frau.
Viele Geschwister haben den Apostel Woche für Woche um Fürbitte gebeten – da wünschte man sich manchmal eine Heilung, solch ein Wunder Gottes.
Das Wunder Gottes liegt in der Berufung und darin, dass er uns vom Bösen befreit und in die Herrlichkeit berufen hat.
„In ihm seid auch ihr, die ihr das Wort der Wahrheit gehört habt, nämlich das Evangelium von eurer Rettung – in ihm seid auch ihr, als ihr gläubig wurdet, versiegelt worden mit dem Heiligen Geist, der verheißen ist, welcher ist das Unterpfand unsres Erbes, zu unserer Erlösung, dass wir sein Eigentum würden zum Lob seiner Herrlichkeit“ (Epheser 1; 13, 14)
Cantus firmus: Fürchte dich nicht!
Verkrümmung stehe auch symbolisch für unsere Sorgen. Manchmal können wir nicht hochschauen.
Wir wollen auf Jesus sehen – so wie Petrus es tat, als er zum Herrn über das Wasser lief.
So lange er auf Jesus blickte, sank er nicht - erst als er sich krümmte und auf seine Füße sah, dachte er, es ginge nicht.
Wir sind auch manchmal in der Verkrümmung und sehen dann die Liebe Gottes nicht, die uns in der Verkrümmung Mut zuspricht.
Das im Jahresmotto enthaltene „Fürchte dich nicht!“ ist keine Parole.
Dieses Wort zieht sich durch die ganze Heilige Schrift wie ein roter Faden und war schon immer ein großer Halt für die Menschen (z.B. Mose, Abraham, Hagar, Maria oder Apostel Paulus).
Wie in der Musik, quasi als cantus firmus - die führende Melodie, soll sich das „Fürchte dich nicht!“ durch unser Leben ziehen – unter Begleitung aller möglichen Höhen und Tiefen ist das die Konstante in unserem Leben.
Dafür, dass er uns sieht, uns ruft, wollen wir Gott immer wieder danken – durch unser Tun, durch unser Auftreten, durch die Verkündigung des Evangeliums.
Das sei nicht nur Aufgabe der Amtsträger, sondern wir alle sollen ein Licht sein in der Welt.
Bezirksältester Holger Niebhagen unterstrich die Gedanken des Apostels zum aufgezeigten Gottesbild.
„Gottes Liebe und sein Erbarmen, und seine Güte ist so groß, dass jeder, der zu ihm kommen möchte, angenommen und auch errettet wird.“.
Das Bild der Verkrümmung zeige auch eine Haltung vor Gott. Im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner, war letzterer Derjenige, der mit einer gebeugten Haltung vor Gott trat – mit der demütigen Bitte „Gott, sei mir Sünder gnädig!“.
So wie die Frau geheilt wurde und dafür Gott pries, mag es auch unser Anspruch sein, die Gnade Gottes nicht einfach nur hinzunehmen, sondern uns zu erheben, zu ihm aufzuschauen und ihn dafür zu preisen.
In Vorbereitung auf die Sündenvergebung und das Heilige Abendmahl verdeutlichte Apostel Ralph Wittich abschließend, dass Jesus neues Leben und eine neue Perspektive schenkt.
Wenngleich Gott am Ende ein gerechter Richter sein wird, so ist er kein „Richter Gnadenlos“, der sofort straft. Er sandte seinen Sohn als Baby auf die Welt.
Jesus ist nicht der strahlende Held auf hohem Ross, sondern einer von uns geworden und so behandelt er uns auch. Gott schenkt seine Gnade.
Nach dem Gottesdienst dankte Gemeindevorsteher Priester Karsten Ostermann dem Apostel für sein jahrelanges liebevolles Wirken.
Als Erinnerung an die Berg- und Rosenstadt Sangerhausen erhielt dieser eine Rose, die im Frühling einen besonderen Platz im Schleizer Garten erhalten soll.
Mit einem gemütlichen Beisammensein ließen die ortsansässigen und angereisten Geschwister im Anschluss gemeinsam das Fest des Glaubens ausklingen.
Chor und Musikensemble umrahmten den feierlichen Gottesdienst.
Aus dem Gottesdienst des Apostels Ralph Wittich am 21.01.2026
Neuapostolische Kirche